30 Jahre Insomnia von Faithless
- Mahmut Özsöz
- 28. Nov. 2025
- 3 Min. Lesezeit

30 Jahre „Insomnia“ – Der Klassiker, der nie schläft
„I can’t get no sleep“ – eine Zeile, die seit 30 Jahren durch Clubs auf der ganzen Welt hallt. Dass diese ikonischen Worte von Faithless-Frontmann Maxi Jazz ursprünglich aus einer ganz realen schlaflosen Nacht voller Zahnschmerzen und Weed zur Linderung entstanden, konnte damals niemand ahnen. Und noch viel weniger, dass Generationen von Clubgänger*innen sie später feiern würden, während sie sich selbst mit diversen Substanzen wachhalten.

Dabei ist „Insomnia“ alles andere als ein typischer Dance-Track. Statt euphorischer Sunrise-Atmosphäre dominiert Melancholie – eine düstere Stimmung, die sich mit Trip-Hop-Elementen, Reggae-Vibes und hypnotischen Samples zu einem der bedeutendsten Dance-Tracks aller Zeiten vereint. Am 27. November 1995 veröffentlicht, traf der Song einen Nerv: tanzbar, mitreißend, aber voller innerer Zerrissenheit. Die Original-Single erschien mit einer 3:36-Minuten-Version sowie zwei Extended Mixes von fast 9 bzw. 11 Minuten Länge. Die Albumversion enthält zusätzliche, explizitere Textpassagen, die im Radio nicht gespielt wurden. Besonders beliebt in den Clubs: der Moody Mix, unverwechselbar durch das einleitende Glockenläuten.
Maxi Jazz – Vom Underground zum globalen Einfluss
Bereits 1984 gründete Maxi Jazz sein DJ-Projekt The Soul Food Cafe System, nachdem er ein Jahr zuvor seine Liebe zum Hip-Hop entdeckt hatte. Über Piratensender wie LWR brachte er seinen Sound in die Szene.1992 folgte das Label Namu Records, über das mehrere EPs erschienen. Die Band tourte als Vorgruppe u. a. für Jamiroquai, Soul II Soul und Galliano – ein wichtiger Schritt auf Maxis Weg in die internationale Musiklandschaft.

Mit Faithless – gegründet mit Rollo Armstrong, Jamie Catto und Sister Bliss – schrieb Maxi schließlich Musikgeschichte. Interessant: Als Anhänger der buddhistischen Bewegung Sōka Gakkai stand sein spiritueller Hintergrund im Kontrast zum Bandnamen „Faithless“. Sein Songwriting verband persönliche Erfahrungen, gesellschaftliche Themen und Zeitgeschehen – und machte ihn zu einer einzigartigen Stimme der elektronischen Musik.
Auch außerhalb von Faithless blieb Maxi aktiv:
• Gesang auf Tiëstos „Dance4life“
• Duett mit Robbie Williams auf „My Culture“
• Headliner-Auftritt zu seinem 50. Geburtstag beim O2 Wireless Festival 2007
Ein letztes Kapitel
Am 24. Dezember 2022 verstarb Maxi Jazz im Alter von 65 Jahren. Mit ihm verlor die Musikwelt einen Visionär, dessen Einfluss weit über Faithless hinausreicht.
Unzählige Remixe – doch das Original bleibt unerreicht
„Insomnia“ wurde dutzende Male neu interpretiert, remixed und recycelt. Einige Versionen konnten halbwegs überzeugen – viele jedoch waren eine Beleidigung für den Klassiker. Drei Remixe, die wirklich erfolgreich waren, haben wir unten für euch zusammengestellt.
Insomnia – Moody Mix: Ein Clubphänomen seiner Zeit
Der Moody Mix von Insomnia war in den 90ern einer der beliebtesten Versionen in Clubs und Diskotheken. Die ungewöhnlichen Basslines, die sich ständig wiederholenden kurzen Vocal-Shots mit dem ikonischen „I can’t get no sleep“ und die über 10 Minuten Laufzeit machten diesen Mix unverwechselbar. Besonders geschätzt wurden die zusätzlichen Vocals von Maxi Jazz, die dem Track noch mehr Atmosphäre verliehen.Ein prägendes Element war das sogenannte Clockwork – das tiktakende Geräusch eines Uhrzeigers, das sich wie ein pulsierender Nerv durch den gesamten Track zieht. Dieses Detail verlieh dem Moody Mix eine einzigartige, fast hypnotische Spannung, die ihn damals wie heute zu einem der markantesten Remixe des Songs macht.
Insomnia – Avicii Remix (2015)
Im Jahr 2015 erschien der Insomnia – Avicii Remix, der den klassischen Faithless-Sound in ein modernes, EDM-lastiges Gewand kleidete. Trotz seines deutlich elektronischeren und festivalorientierten Stils wurde der Remix von vielen Fans als äußerst gelungen gefeiert.Der schwedische Produzent und DJ Avicii (Tim Bergling) brachte seinen charakteristischen melodischen Sound ein und verlieh dem Track eine neue Energie, ohne den Respekt vor dem Original zu verlieren. Tragischerweise verstarb Avicii nur drei Jahre später, 2018. Er zählt bis heute zu den erfolgreichsten DJs und Produzenten der elektronischen Musik. Neben zahlreichen Remixen prägte er die Szene mit einer Reihe von globalen Top-10-Hits, die ihn zu einer der wichtigsten Persönlichkeiten der modernen Dance-Musik machten.
Insomnia – Maceo Plex Remix (2021)
Mit seinem Remix von „Insomnia“ hat Maceo Plex eine der eindrucksvollsten modernen Neuinterpretationen des Faithless-Klassikers geschaffen. Der international gefeierte DJ und Produzent, bekannt für seinen tiefen, atmosphärischen und oft düster-melodischen Sound, verwandelte den Track in eine hypnotische Techno- und Deep-House-Fusion.
Was diesen Remix besonders macht, ist der respektvolle Umgang mit dem Original:
Maceo Plex übertreibt nicht, verändert nicht wahllos – er modernisiert, vertieft und erweitert. Das Ergebnis ist eine Version von „Insomnia“, die sowohl zeitlos wirkt als auch nahtlos in das heutige Underground-Clubgeschehen passt.





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