top of page

Children von Robert Miles


Robert Miles – „Children“: Der Soundtrack einer Generation

Ende 1994, in nur einer Nacht, entstand ein Song, der später zum Symbol einer ganzen Ära werden sollte: „Children“. Produziert vom italienischen Musiker Robert Miles (†2017), wurde der Track zunächst als unscheinbarer Teil der EP Soundtracks auf Joe Vanellis Label veröffentlicht – ohne größere Resonanz. Doch das sollte sich bald ändern. Die Originalversion erschien im Januar 1995, blieb aber noch unter dem Radar. Erst als Vanelli das Stück in einem Club in Miami auflegte, wurde Simon Berry, Gründer des britischen Indielabels Platipus Records, auf das hypnotische Instrumental aufmerksam. Er erkannte das Potenzial, erwarb die UK-Lizenz und reichte sie weiter an Deconstruction Records – ein Sublabel von BMG. Damit begann der internationale Siegeszug von Children.


Ein Fehler mit Folgen

Eine skurrile Anekdote: In Deutschland wurde das Stück über Jens Thele, den späteren Mitbegründer von Kontor Records, an Motor Music herangetragen. Dort hörte Tim Renner die Demo – allerdings fälschlich mit 45 Umdrehungen pro Minute statt 33 abgespielt. Er hielt es für einen neuen, schnellen Techno-Hit und nahm Miles unter Vertrag. Der Irrtum fiel erst später auf – doch der Vertrag blieb bestehen. Und das war gut so.



Mehr als nur Musik: Eine Mission

Robert Miles hatte mit Children mehr vor, als nur einen Dance-Hit zu landen. Das Stück mit seiner sanften, melancholischen Piano-Melodie war eine Antwort auf die Härte der Clubszene der 90er, auf exzessive Nächte und tragische Unfälle. Miles wollte mit seiner beruhigenden Musik die Clubgänger*innen emotional erden – und vor allem verhindern, dass sie übermüdet in tödliche Autounfälle verwickelt werden. „Children“ wurde damit nicht nur ein Track – sondern eine Botschaft.


Ein Welthit mit bescheidenem Ursprung

Produziert wurde der Song im Sound Master Studio in Italien – für gerade einmal 150 Pfund. Und dennoch wurde daraus ein globaler Hit, der in über einem Dutzend Ländern die Charts anführte, Millionen verkaufte, unzählige Male geremixt wurde und bis heute in Sets, Radioshows und Erinnerungen weiterlebt. „Children“ ist mehr als nur ein Klassiker der elektronischen Musik – es ist ein emotionales Mahnmal, ein Pionier der Trance-Ästhetik und ein Beweis dafür, dass große Kunst manchmal in einer einzigen Nacht entstehen kann.



Children – Musik gegen den Sturm

Children ist mehr als ein Song. Es ist ein musikalisches Manifest – ruhig, eindringlich, entschleunigend. Als reines Instrumentalstück gehört es zum Genre Dreamhouse – eine Stilrichtung, die in den 90er-Jahren als Gegenpol zur harten Rave- und Techno-Bewegung entstand.


Der Track ist in f-Moll komponiert, läuft im Viervierteltakt mit einem Tempo von 138 BPM und vereint eine sanfte, beinahe fragile Piano-Melodie mit einer treibenden, aber zurückhaltenden 4x4-Bassline. Diese Kombination sorgt für den typischen Schwebezustand, der Children so einzigartig macht: tanzbar – und gleichzeitig meditativ.


Children Live Orchester Melbourne - 2024

Ein Lied gegen die Schatten der Nacht

Robert Miles schrieb Children laut eigener Aussage aus tiefem, menschlichem Antrieb: Als Antwort auf die wachsende Zahl tödlicher Autounfälle unter jungen Menschen, die nach durchtanzten Nächten übermüdet nach Hause fuhren. Insbesondere eine Initiative italienischer Mütter, die die aufpeitschende, aggressive Techno-Musik der damaligen Zeit mit diesen Vorfällen in Verbindung brachte, inspirierte Miles dazu, etwas Gegensätzliches zu schaffen: Musik, die entschleunigt – nicht antreibt. Doch es gab noch eine zweite, tief emotionale Inspirationsquelle: Fotografien von kriegsversehrten Kindern, die sein Vater nach einem humanitären Einsatz im vom Krieg gezeichneten Jugoslawien mit nach Hause brachte. Diese Bilder berührten Miles so sehr, dass sie Einfluss auf den Titel und die emotionale Tiefe des Stücks nahmen.



Robert Miles – Der Soundpoet des Dreamhouse

Robert Miles, geboren als Roberto Concina am 3. November 1969 in Fleurier, Schweiz, war ein italienisch-schweizerischer DJ, Produzent und Komponist – und gilt bis heute als einer der stilprägendsten Köpfe der elektronischen Musik der 1990er-Jahre. Weltweit bekannt wurde er durch seinen Megahit „Children“ (1995), der nicht nur Millionen von Platten verkaufte, sondern ein ganz neues Subgenre definierte: Dreamhouse. Seine Musik war emotional, atmosphärisch, oft melancholisch – und damit ein Gegenentwurf zur harten, industriell geprägten Technoszene jener Zeit.


Beatbox Version von Dahrni & Mamiko

Der stille Star

Miles galt als zurückhaltender, fast scheuer Künstler, der sich nie in den Vordergrund drängte. Statt Rampenlicht suchte er Tiefe. Seine Kompositionen wirkten oft wie kleine Klang-Gedichte – mit klaren Botschaften zwischen den Zeilen. Mit Children wollte er etwas verändern: weniger Exzess, mehr Bewusstsein. Weniger Ego, mehr Emotion.Es war der Versuch, Musik mit Verantwortung zu verbinden – und gleichzeitig ein Ventil für eigene Gefühle, Erinnerungen und Weltsichten.


Musikalischer Werdegang

Nach dem überwältigenden Erfolg von Children (Platin in vielen Ländern, Nr. 1 in über 12 Charts) veröffentlichte Miles 1996 das Album „Dreamland“, das weitere Klassiker wie Fable enthielt. 2001 wagte er mit dem experimentelleren Werk „Organik“ den Bruch mit dem Mainstream – es folgten Ambient- und World-Music-Projekte, etwa das Album Thirteen (2011), mit dem er seine Entwicklung als Künstler konsequent fortsetzte.

Neben seiner musikalischen Arbeit gründete er das Label S:alt Records und engagierte sich für nachhaltige Musikprojekte, unter anderem auf Ibiza, wo er zeitweise lebte.


Ein viel zu früher Abschied

Robert Miles starb am 9. Mai 2017 im Alter von nur 47 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung. Sein Tod löste weltweit Bestürzung aus – besonders in der elektronischen Musikszene, die ihm viel zu verdanken hat. Artists wie Armin van Buuren, Pete Tong, Chicane oder Deadmau5 würdigten ihn als Pionier, Visionär und leise Legende.


Children – Ein Klassiker mit vielen Gesichtern: Die besten (und nicht so guten) Remixes im Überblick

Children von Robert Miles ist nicht nur ein Meilenstein der elektronischen Musik, sondern auch ein Track, der über die Jahre zahlreiche Neuinterpretationen erfahren hat. Viele DJs und Produzenten haben sich an dem Dreamhouse-Klassiker versucht – manche Remixes sind absolute Hits, andere weniger gelungen.

Wir haben eine Liste verschiedener Versionen zusammengestellt und geben euch einen Überblick:


Die Klassiker unter den Remixes

·         Dream Version (Original 1995) Die bekannte und meistgespielte Fassung mit sanfter Piano-Melodie und treibender 4x4-Bassline, die den Dreamhouse-Sound prägte.

·         Children (Dj Scot Project Remix) Ein energiegeladener Remix mit härterem Beat, der den Track auf die Tanzflächen der 2000er Jahre brachte – perfekt für Fans von schnellerem Trance.

·         Children (Ferry Corsten Remix) Die trance-lastige Interpretation des niederländischen Superstars besticht durch klare Melodien und dynamischen Aufbau.


Gelungene Neuinterpretationen

·         Children (Satoshi Tomiie Remix)Hier trifft der Original-Flair auf Deep House-Elemente – eine stilvolle und tiefgründige Version für Clubnächte mit Anspruch.

·         Children (Agnelli & Nelson Remix) Ein emotionaler Trance-Remix, der sowohl die Melodie als auch den Vibe des Originals einfängt und modernisiert.


Remixes mit gemischtem Feedback

·         Children (Pop-Remix) Einige Versuche, Children mit Pop-Elementen zu verbinden, sorgten für Kritik – zu kommerziell oder zu weit entfernt vom Original.

·         Children (Hardstyle Remix) Manche Hardstyle-Versionen verloren für Fans den spirituellen, sanften Kern des Songs und wirken eher kraftvoll, aber emotionslos.


Fazit

Children ist ein Track, der Künstler über Generationen inspiriert und herausfordert. Die Bandbreite der Remixes zeigt, wie vielfältig elektronische Musik sein kann – und wie sehr ein Klassiker gleichzeitig bewahrt und neu interpretiert werden kann.

 

Kommentare


bottom of page